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Erinnern.Anklagen.Handeln

Politischer Spaziergang zum 18. Jahrestag des NSU-Anschlags in der Probsteigasse

Achtzehn Jahre ist es her, dass die nationalsozialistische Terrororganisation NSU in einem Lebensmittelgeschäft in der Kölner Probsteigasse einen Sprengstoffanschlag verübte. Die Tochter des iranischen Geschäftsbesitzers wurde schwer verletzt und überlebte nur durch Glück. Dieser rassistisch motivierte Bombenanschlag am 19. Januar 2001 war der erste von zwei NSU-Anschlägen in Köln, der zweite traf die Keupstraße.

Nach der Selbstenttarnung des NSU 2011 und einem fünf Jahre dauernden Gerichtsprozess wurde im vergangenen Sommer nun das Urteil gesprochen. Es war für viele Betroffene erneut ein Schlag ins Gesicht, denn der Prozess hat keine ausreichende Aufklärung gebracht. Die Helfer*innen an den Tatorten, der konkrete Tathergang und die staatlichen Verstrickungen sind weiterhin unaufgeklärt. Stattdessen hielt das Gericht an der These des isolierten Tätertrios fest – das darf nicht so stehen bleiben!

Gerade der Anschlag in der Probsteigasse zeigt, dass das NSU-Netzwerk von anderen Personen verstärkt und von den staatlichen Verfolgungsbehörden geschützt wurde: Das kleine Geschäft in der unscheinbaren Straße konnten nur Ortskundige kennen. Das Phantombild des Bombenüberbringers hat keinerlei Ähnlichkeiten mit den beiden Uwes des Kerntrios – sondern mit einem Kölner Neonazi, der für den Verfassungsschutz arbeitete und gegen den nie ermittelt wurde.

Wer also waren die (Mit-)Täter? Welche Rolle spielte der Verfassungsschutz bei den Taten des NSU?

Bei unserem politischen Stadtspaziergang wollen wir gemeinsam an die Geschehnisse in der Kölner Probsteigasse erinnern und die Rolle von staatlichen Behörden und gesellschaftlichem Rassismus im NSU-Komplex beleuchten. Das Ende des Prozesses darf nicht das Ende der notwendigen gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung und Aufklärung sein!
„Kein Schlussstrich!“ bedeutet für uns, den Betroffenen rassistischer Gewalt Raum und Stimme zu geben und nicht aufzuhören, Aufklärung und Bekämpfung rassistischer Strukturen einzufordern!

Samstag, 19. Januar, 17-19 Uhr, Treffpunkt Rudolfplatz

Der NSU-Anschlag in der Probsteigasse: Offener Treff von Köln gegen Rechts

Köln gegen Rechts lädt jeden 2. und 4. Dienstag im Monat ein zum offenen Treffen in der Alten Feuerwache.

Kommenden Dienstag macht die Interventionistische Linke Köln einen Input zum Thema:

Der NSU-Anschlag in der Probsteigasse — mehr Fragen als Antworten

Am 19.01.2019 jährt sich zum 18. mal der Anschlag des Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) in der Kölner Probsteigasse. Bei dem Sprengstoffanschlag auf ein kleines Ladengeschäft, erlitt die damals 19 Jährige Tochter des Ladenbesitzers mit iranischem Migrationshintergrund schwerste Verbrennungen. Noch immer sind die genauen Hintergründe unklar – vieles spricht dafür, dass weitere bisher unbekannte Täter*innen an Planung und Durchführung des Anschlags beteiligt waren.

Was damals geschah, welche offenen Fragen es immer noch gibt und wie die Perspektive und Forderungen der Betroffenen aussehen wird Inhalt eines kurzen Inputs sein. Anschließend gibt es noch Informationen zu den am Jahrestag des Anschlags geplanten Gedenkaktionen und welche Möglichkeiten es gibt sich daran zu beteiligen.

Dienstag 11. Dezember ab 19 Uhr. Alte Feuerwache Köln, Melchiorstrasse 3

Dokumentation über die Todesopfer rechter Gewalt

Köln Gremberg 1994: 2 Tote Roma nach Brandanschlag auf Flüchtlingsheim. Alle Akten zu dem Fall sind von der Kölner Polizei bereits vernichtet worden.

Die Zeit veröffentlicht dankenswerter Weise eine Dokumentation über die Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland seit 1990. Zwei der insgesamt 169, von der Zeit aufgelisteten Todesopfer, stammen aus Köln.

Ein elfjähriges Mädchen und ihre Tante kamen nach einem Brandanschlag auf eine Unterkunft für Roma-Kriegsflüchtlinge in Köln Gremberg nach schwersten Verbrennungen ums Leben. Bis heute ist der Fall, wie auch einige andere Anschläge aus den 90er Jahren in Köln nicht aufgeklärt. Weil die Kölner Staatsanwaltschaft aus unerfindlichen Gründen lediglich wegen schwerer Brandstiftung und nicht wegen Mordes oder Totschlages ermittelte, hat die Polizei vor drei Jahren bereits alle Akten und Asservate vernichtet.

Die Kölner Rechtsanwältin Edith Lunnebach erinnert das stark an die Ermittlungen beim NSU, als auch erstmal Angehörige verdächtigt wurden und bei Ermittlungen zu rechten Hintergründen nicht die einfachsten Ermittlungsschritte unternommen worden. Die Anwältin prüft nun mögliche Schritte für eine Wideraufnahme der Ermittlungen.