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Birlikte 2016 – AfD-Auftritt fand nicht statt

Presserklärung vom „Bündnis Köln gegen Rechts“

Das Schauspielhaus Köln, einer der wesentlichen Akteure von Birlikte, hatte zusammen mit WDR 5, unterstützt von der AG Arsch Huh und der IG Keupstraße Konrad Adam, Gründungsmitglied der AfD zu einer Diskussionsveranstaltung ins Depot 1 in Mülheim eingeladen.
Bereits im Vorfeld gab es darüber Streit, weil viele andere Akteure von Birlikte es falsch fanden einem ausgewiesenen Rassisten auf einem antirassistischen Fest eine Bühne zu verschaffen.
Gegen seine Beteiligung sprachen sich die Initiative „Keupstraße ist überall“, der Integrationsrat der Stadt Köln, das Antidiskriminierungsbüro, die „Kölner 11“ (Vorstand der Kölner Bürgerhäuser), die Kölner Grünen, die Initiative „Kein Mensch ist Illegal“, „Köln stellt sich Quer“ und alle Kölner Antifa-Gruppen aus, allesamt Akteure bei den bisherigen Birlikte- Festen.
Sie waren schlicht nicht gefragt worden. Eine Reihe von Künstler*innen aus der Musikszene sagten wegen der Beteiligung der AfD an Birlikte ihre zugesagten Auftritte ab. Alle diese Gruppen und andere baten Schauspielhaus und WDR im Vorfeld, die AfD wieder auszuladen.
Es gab keine Resonanz.
Auch die klare Haltung der Oberbürgermeisterin Frau Reker half nicht. In der Veranstaltung mit dem Titel „Wem gehört die Stadt?“ im Depot 1 sagte sie, dass sie nach ihrer Veranstaltung den Saal sofort verlassen würde, weil sie als Opfer eines rassistisch motivierten Attentats einen Aufenthalt gemeinsam mit so einem Menschen nicht aushalten würde. An die Veranstalter gerichtet fuhr sie fort, dass ihrer Meinung nach die Veranstaltung mit dem AfD-Vertreter nicht stattfinden dürfte, wenn sich nur ein Mensch im Saal durch seine Beteiligung beleidigt fühlte.
Nun es waren viele, die sich beleidigt fühlten.
Wir wollten eine Diskussionsveranstaltung erreichen – wie auch schon im Vorfeld angeboten – zwischen Schauspielhaus, WDR, AG Arsch Huh, „IG Keupstraße“, Initiative „Keupstraße ist überall“, dem Antifa-Spektrum und allen andern Unterstützer*innen von Birlikte, über Strategie und Taktik im Umgang mit der AfD, gemeinsam mit der eingeladenen Professorin für Integrationsforschung Naika Foroutan, allerdings ohne Beteiligung der AfD.
Leider haben die Veranstalter darauf so reagiert, dass sie die Opfer des Nagelbombenanschlags, die um 16 Uhr ins Depot 1 zur Veranstaltung wollten, durch Security versuchten zu blockieren. Das gelang nicht. Die Bühne wurde von uns besetzt und Herr Adam von der AfD konnte nicht auftreten.
Es gab dann noch einige kontroverse Redebeiträge. Danach wurde die Veranstaltung beendet, weil WDR und Schauspielhaus sich der Diskussion nicht stellen wollten.
Entgegen von Pressemeldungen, konnte Frau Meral Sahin, Vorsitzende der IG Keupstraße ohne jegliche Behinderung reden, obwohl wir nicht ihrer Meinung in dem Konflikt waren.
Wir werden die Diskussion mit Schauspielhaus, AG Arsch Huh und IG Keupstrasse trotz alledem weiter suchen, um die bisherige erfolgreiche Zusammenarbeit gegen Rechts in Köln fortzusetzen.
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Brief an die Veranstalter von Birlikte.

Immer mehr Organisationen positionieren sich gerade gegen den Auftritt von Konrad Adam (AfD) bei einer Diskussionsveranstalltung bei Birlikte. Nach Protesten der VVN sprachen sich auch die Kölner Grünen, „Köln stellt sich Quer“ und der „Integrationsrat der Stadt Köln“ gegen die Einladung des AfD-Mitbegründers aus. Verschiedene Antifa-Gruppen haben Proteste angekündigt.

Auch wir veröffentlichen jetzt unseren Brief, den wir zunächst nur an die Veranstalter geschickt hatten.

„Sehr geehrte Veranstalter*innen von Birlikte,

im Rahmen des Birlikte-Festes ist auch eine Veranstaltung im Depot mit Konrad Adam von der AfD angekündigt.

Wir begrüßen wie in den vergangenen Jahren das Birlikte Fest. Viele Gruppen und Einzelpersonen von unserem Bündnis beteiligen sich von Anfang an bei dem Fest auch durch eigene Veranstaltungen. Eine Veranstaltung, bei der auf dem Podium ein Vertreter der AFD sitzt, lehnen wir jedoch grundsätzlich ab. Diese fällt unseres Erachtens vollkommen aus dem bisherigen Rahmen des Festes.

Die AfD vertritt, wie allgemein bekannt ist, rassistische Positionen. Konrad Adam vertritt zusätzlich frauenfeindliche und grundgesetzwidrige Forderungen zur Änderung des Wahlrechts.

Das Bündnis „Köln gegen Rechts“ kämpft gegen diese rassistischen Positionen, ebenso wie schon 2014 die vergleichbare rassistische Hetze von Pro Köln / Pro NRW im Rahmen der Kampagne „Kein Veedel für Rassismus“ erfolgreich bekämpft wurde. Es ist offenkundig, dass auf dem Boden populistischer Auftritte solcher Gruppen Übergriffe und Gewalt gegen Migranten entstehen. Nicht zuletzt konnte auch die Terrorgruppe NSU auf diesem Bodensatz entstehen und ungehindert Morde und Bombenattentate wie z.B. in der Keupstraße begehen.

Uns ist daher völlig unverständlich, wie das Birlikte-Motto „Zusammenreden“ einem offiziellen Repräsentanten der AfD ein Podium bieten kann.

Zusammenreden heißt für uns, dass nach den Jahren der Kriminalisierung und Ausgrenzung der Menschen in der Keupstraße ein gemeinsamer Dialog mit ihnen stattfindet. Dass das Motto jetzt umgedreht wird und aus einem Zusammenreden mit den Opfern der Anschläge ein „Über sie reden mit einem Vertreter der AFD“ wird, halten wir für einen Affront gegen die Betroffenen des versuchten Massenmordes auf der Keupstraße sowie alle Migrant*innen.

Daher protestieren wir gegen die geplante Veranstaltung und bitten Sie dringend, Konrad Adam wieder auszuladen. Wir wünschen uns und allen ein harmonisches Fest Birlikte, das seinem Ziel wirklich gerecht wird.

Mit freundlichen Grüßen,

Bündnis Köln gegen Rechts“