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Rechte Hetzblogs bei linken Demonstrationen

AfD-Landtagsabgeordneter Beckamp mit IB-naher Bloggerin

In den letzten Jahren hat die Zahl rechter Blogger/innen auf Youtube, und anderen sozialen Medien stetig zugenommen. Auch hier in Köln sind mehrere von Ihnen aktiv. Während der AfD-Landtagsabgeordnete Roger Beckamp mit Kameramann schon mehrmals, meist unter Polizeischutz, linke Demonstranten*innen abfilmen wollte, ist seit kurzem die rechte Bloggerin Lisa H. „Undercover“ bei linken und zivilgesellschaftlichen Demonstrationen unterwegs.

„Undercover“

Nachdem Sie „Undercover“ im Hambacher Forst unterwegs war, zog sie sich am letzten Samstag ein T-Shirt mit dem Spruch „Good Night White Pride“ an und filmte stundenlang auf der #unteilbar Demo in Dresden.

Lisa H, die unter Künstlerinnennamen einen Youtube-Kanal, mehrere Facebookprofile und Twitter Accounts betreibt, ist eine IB-nahe Aktivistin. Bis zum Juni dieses Jahres war sie Top-Aktivistin in der IB-Frauenorganisation 120DB und machte u.a. mit anderen IB-Frauen am Kölner Hauptbahnhof Infostände. Nach internen Streitigkeiten, (120 DB wurde von oben aufgelöst und Lisa H. beklagte sich über die Männerdominanz der IB bei diesem Projekt), erklärte sie, die IB verlassen zu haben, postet aber bis jetzt Solidaritätsadressen mit deren Chef Martin Sellner und teilt weiter fleißig Beiträge der Nachfolgeorganisation von 120DB, die die IB-Frauen unter dem Namen Lukretia ins Leben gerufen haben.

Neben ihren „Undercover-Filmen“ berichtet Lisa H., die nach eigenen Angaben ein Abendgymnasium in Köln besucht, ansonsten von ihrer „patriotischen Teilnahme“ bei AfD-Kundgebungen und zuletzt bei einem Naziaufmarsch von Pro Chemnitz. Als nächstes hat sie angekündigt, beim Aufmarsch rechter Hools und Nazis am 08.09 in Mönchengladbach mitzulaufen.

Beckamp (AfD) und identitäre Lisa posten Video zusammen

Erst kürzlich hat Roger Beckamp, der auch in der Vergangenheit keinerlei Berührungsängste mit den rechtsextremen Identitären hatte, ein gemeinsames Video mit der früher „IB-Lisa“ genannten Bloggerin veröffentlicht.

Dort regen sie sich gemeinsam über die millionenfache Völkerwanderung, die vielen ausländischen Imbisse und Billigläden auf. Bleibt zu hoffen, dass in Zukunft für die „Undercover-Berichte“ der rechten Bloggerin ein linkes T-Shirt nicht mehr ausreicht.

Veranstaltungen zum Thema Rechte Netzwerke

In den kommenden Wochen gibt es in Köln zwei Veranstaltungen, die sich mit dem Thema „Rechte Netzwerke“ beschäftigen. Hier ein Überblick über die Veranstaltungen.

Montag, 9. September 2019

Der Hannibal-Komplex – Ein militantes, rechtes Netzwerk in Bundeswehr, Geheimdiensten, Polizei, Justiz und Parlamenten„. Veranstaltung von VVN-BdA Köln und Friedensinitiative Sülz-Klettenberg. 19.30 Uhr – Tersteegenhaus, Emmastraße 6, Klettenberg.

Donnerstag,10. Oktober 2019

Das Netzwerk der Neuen Rechten – Wie gefährlich sind die Neuen Rechten – auch in Köln?“ Lese-Tour mit Christian Fuchs, veranstaltet von Kein Veedel für Rassismus. 19.00 Uhr, NS-Dokumentationszentrum, EL-DE Haus, Appelhofplatz 23-25.

Neonazi aus Köln-Zollstock betrieb Internet-Forum „Nationale Revolution“

Erst 5 Jahre nach Polizeirazzia startet nun der Prozess

Zumindest in Österreich war es vor 5 Jahren im Oktober 2014 eine größere Meldung in den Medien gewesen. Dort kam es zu fünf Hausdurchsuchungen von Spezialeinheiten der Polizei gegen die Betreiber des Internet-Forums „Nationale Revolution“. Die Hausdurchsuchungen waren mit den deutschen Sicherheitsbehörden abgestimmt. Hier konzentrierten sich die Ermittlungen auf drei Verdächtige aus NRW (aus Salzkotten, Wuppertal und Köln). Einer davon, ein mittlerweile Dreißigjähriger, der in Köln Zollstock wohnt, hatte für das Naziforum einen Server in Rumänien angemietet.

Das Internetforum „Nationale Revolution“ war ein 2007 gegründetes Naziforum mit Schwerpunkt auf der Verbreitung von Neonazimusik. Es erlangte ab 2012 eine gewisse Bedeutung, nachdem die bis dahin größte deutsche Neonazistische Plattform Thiazi, nach mehreren Festnahmen, abgeschaltet worden war.

Zum Nachfolgeforum „Nationale Revolution“, schreibt der Kölner Express:

„Aufrufe zum Mord an Ausländern, Juden und Linken fanden sich im Forum, außerdem wurden die Verbrechen der Nationalsozialisten glorifiziert und verharmlost. Ein großer Teil der rechten Hetze wurde durch Liedtexte transportiert, etwa von der verbotenen Band Landser. „Ran an den Feind, Bomben auf Israel“, zitiert die Anklage einen der gewaltverherrlichenden Texte der Gruppierung.“

Prozess erst 5 Jahre später

Umso erstaunlicher, dass es erst jetzt, 5 Jahre später, zu einem Prozess gegen die Beschuldigte kommt. Und auch dieser scheint recht schnell mit einem milden Urteil über die Bühne zu gehen. Der Express dazu:

„Die Vorsitzende Richterin kündigte daraufhin an, die Kammer wolle sich Gedanken um einen Verständigungsvorschlag machen. Bei Geständnissen könnte das Verfahren, das zunächst auf zehn Verhandlungstage bis zum 19. September angesetzt ist, erheblich abgekürzt werden. Ziel der Verteidigung sollen Strafen sein, die noch im bewährungsfähigen Rahmen liegen.“

https://www.express.de/koeln/von-zollstock-aus-koelner-betrieb-xxl-neonazi-forum-im-internet-mit-heftigen-inhalten-33069274